Sie sind hier:

Tierseuchenbekämpfung

Kennzeichnung eines Rindes mit zwei Ohrmarken
Rinderkennzeichnung

Zu den originären Aufgaben eines Veterinäramtes gehört die Bekämpfung von Tierseuchen, einerseits vorbeugend, z.B. in Form von Überwachungs- und Tilgungsprogrammen sowie Bestandskontrollen, andererseits durch wirksame Maßnahmen im Falle des Tierseuchenausbruchs bzw. des entsprechenden Verdachts. Immerhin werden im Zweistädtestaat Bremen derzeit etwa 12.000 Rinder und fast 1.000 Schweine gehalten und beim LMTVet sind etwa 200 Geflügelhaltungen registriert. Trotz der tierseuchenrechtlichen Länderzuständigkeit in Deutschland hätte der Ausbruch einer Tierseuche im niedersächsischen Umland auch für Bremen weitreichende Auswirkungen, denen mit angemessener Bereitschaft zu begegnen ist. Weiterhin begleitet der LMTVet die Bearbeitung von Anträgen an die Tierseuchenkasse auf Beihilfe oder Entschädigung und untersucht Tiere im Zusammenhang mit der Erstellung von Gesundheitszeugnissen für Transport und Reiseverkehr.

Biosicherheitsmaßnahmen für Tierhaltungen

Am 1. Mai 2014 hat das Tiergesundheitsgesetz das altbekannte Tierseuchengesetz abgelöst. Seitdem hat, wer Vieh oder Fische hält, zur Vorbeugung vor Tierseuchen und zu deren Bekämpfung

  1. dafür Sorge zu tragen, dass Tierseuchen weder in seinen Bestand eingeschleppt noch aus seinem Bestand verschleppt werden,
  2. sich im Hinblick auf die Übertragbarkeit anzeigepflichtiger Tierseuchen bei den von ihm gehaltenen Tieren sachkundig zu machen, und
  3. Vorbereitungen zur Umsetzung von Maßnahmen zu treffen, die von ihm beim Ausbruch einer Tierseuche nach den für die Tierseuche maßgeblichen Rechtsvorschriften durchzuführen sind.

Verschiedene niedersächsische Organisationen haben im Hinblick auf diese grundlegenden Anforderungen an die Tierhaltung den „Leitfaden Biosicherheit in Rinderhaltungen“ erstellt.

Leitfaden Biosicherheit in Rinderhaltungen (Stand: 30.01.13) (pdf, 3.7 MB)

Sonderseite zur Geflügelpest

Informationen zur Geflügelpest MEHR

Informationen über die Afrikanische Schweinepest

Bild zeigt  ein Schein

Afrikanische Schweinepest

Nachdem die hoch ansteckende Tierseuche sich seit Jahren über den osteuropäischen Raum Richtung Westen ausgebreitet hat, wurde sie nunmehr bei Wildschweinen in Litauen und Polen nachgewiesen und hat damit den Freihandelsraum der EU erreicht. Eine weitere Verschleppung in andere EU-Staaten ist nicht unwahrscheinlich, vor allem durch Transportfahrzeuge aus betroffenen Regionen und durch Produkte aus nicht durchgegartem Fleisch (Schinken, Salami, usw.) infizierter Schweine. Die Entsorgung derartiger Lebensmittel, z. B. an Autobahnraststätten, kann zur Infizierung weiterer Wildschweinbestände führen. Weil das Virus sehr widerstandsfähig ist, hält es sich in gekühltem Fleisch mehrere Wochen und in gefrorenem Fleisch sogar jahrzehntelang. Die Verfütterung von Speisabfällen jeglicher Art an Schweine ist aus gutem Grund seit Jahren verboten.

Auf die Einhaltung der Schweinehaltungshygieneverordnung (insbesondere § 8 sowie Anlagen 1 und 4) durch Schweinehalter wird verwiesen. Schweine Haltung (pdf, 74.3 KB)

Das Virus der Afrikanischen Schweinepest ist nicht identisch mit dem Erreger der sogenannten Klassischen Schweinepest; erkrankte Schweine sterben innerhalb weniger Tage; Impfstoffe gibt es nicht; andere Tierarten als Haus- und Wildschweine sowie Menschen sind nicht gefährdet.

Empfehlungen des Friedrich-Löffler-Instituts www.fli.bund.de für Tierhalter, Jäger und Tierärzte:

Beim Auftreten akuter Symptome, die nicht klar einer anderen Erkrankung zugeordnet werden können, und insbesondere auf Antibiotikagabe nicht ansprechen, sollten geeignete Proben zur Abklärung einer möglichen Schweinepestinfektion an die zuständigen Untersuchungseinrichtungen der Länder weitergeleitet werden.
Angesichts des aktuellen Seuchenverlaufes an den EU-Grenzen ist insbesondere die Jägerschaft aufgefordert, ein vermehrtes Auftreten von Fallwild (Schwarzwild) der zuständigen Behörde zu melden bzw. entsprechende Proben (v. a. Schweiß, Lymphknoten, Milz, Lunge) amtlich abklären zu lassen.

Stand 03.11.2017

Ansteckende Blutarmut der Einhufer (Equine infektiöse Anämie, EIA)

Die EIA ist eine Virusinfektion, die nur die Familie der Einhufer befällt (Pferde, Esel, Maulesel, Maultiere, Zebras). Für Menschen ist sie ungefährlich. Übertragen wird die Erkrankung fast ausschließlich durch blutsaugende Insekten (vor allem Bremsen) aber auch über tierärztliche Instrumente, Bluttransfusionen oder von der Stute auf das Fohlen. Die EIA ist weltweit verbreitet, nach Deutschland wurde die infektiöse Anämie in der Vergangenheit vor allem über illegale Importe eingeschleppt.

Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch beträgt zwei bis sechs Wochen. Die Krankheit verläuft akut, chronisch oder inapparent mit unterschiedlichen Symptomen:

  • Fieber bis zu 41°C
  • Blasse oder gelbe Schleimhäute (Anämie)
  • Blutungen in den Schleimhäuten, Blut im Kot
  • Schwäche, Gewichtsverlust, Schwellungen an Gliedmassen und Bauch
  • Aborte
  • Unfruchtbarkeit
  • Futterverweigerung
  • Koliken
  • Ataxie

Tiere, die symptomlos erkranken, sind lebenslange Träger des Virus und eine ständige Ansteckungsquelle.

Die infektiöse Blutarmut der Einhufer ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Bei Seuchenverdacht im Lande Bremen ist unverzüglich der LMTVet zu unterrichten. Dieser veranlasst weitere Maßnahmen wie Probennahmen, Einzelhaltung der verdächtigen Tiere, Verbringungsbeschränkungen (Teilnahmeverbot für Turniere) und Exportverbot. Wird das Virus diagnostiziert, müssen die Tiere getötet werden. Heilversuche und Impfungen sind verboten.

Hinweise für Besitzer von Einhufern:

  • Vermeiden vom gemeinsamen Gebrauch von Sattelzeug, Bürsten etc., bzw. Desinfektion vor Pferdewechsel (Vermeidung von Übertragungen des Virus über Hautabschürfungen)
  • Sauberhalten /Misten der Boxen, Stallgasse und allen dazugehörigen Räumlichkeiten
  • Vermeiden von stehendem Wasser auf Außenflächen (Brutstätten für Insekten)
  • Anwendung von Repellentien (Mitteln, die Insekten vom Tier fernhalten)
  • Bluttests mit entsprechender Dokumentation im Pferdepass vor Turnierbesuchen und Teilnahme an Auktionen, bei Im- und Export
  • Quarantänehaltung von importierten Tieren

Weitere Informationen unter:
Merkblatt zur Infektiösen Anämie der Einhufer (pdf, 1.3 MB)

Stand: 03.08.2016

Informationen über die Maul- und Klauenseuche

Informationen über die Maul- und Klauenseuche (ppt, 331.5 KB)

Blauzungenkrankheit

klinische Veränderungen am Flotzmaul eines Rindes
klinische Veränderungen

Die Blauzungenkrankheit oder "Bluetongue Disease" (BT) ist eine Viruserkrankung der Wiederkäuer. Insbesondere erkranken Schafe (auch Mufflons), Rinder und Ziegen. Es handelt sich um eine anzeige- und bekämpfungspflichtige Tierseuche. Das Virus (BTV) ist für den Menschen nicht gefährlich. Fleisch- und Milchprodukte können ohne Bedenken verzehrt werden.

Die Blauzungenkrankheit geht mit folgenden Symptomen einher: Schafe zeigen ca. 7-8 Tage nach der Infektion die ersten Anzeichen einer akuten Erkrankung: Erhöhte Körpertemperatur, Apathie und Absonderung von der Herde. Bald nach dem Anstieg der Körpertemperatur schwellen die geröteten Maulschleimhäute an. Es kommt zu vermehrtem Speichelfluss und Schaumbildung vor dem Maul. Die Zunge schwillt an, wird blau und kann aus dem Maul hängen. Todesfälle sind nicht selten.

An den Klauen rötet sich der Kronsaum und schmerzt. Die Schafe können lahmen, und bei tragenden Tieren kann die Krankheit zur Fehlgeburt führen.

Die klinischen Symptome bei Rindern sind Entzündungen der Zitzenhaut und Schleimhäute im Bereich der Augenlider, Maulhöhle und Genitalien. Zudem lösen sich Schleimhäute im Bereich der Zunge und des Mauls ab und es treten Blasen am Kronsaum auf. Diese Symptome ähneln somit Symptomen der Maul- und Klauenseuche.

Das Virus bleibt in den Tieren in der Regel 100 Tage aktiv. Die Tiere bilden eine belastbare Immunität aus. Die Krankheit kann ausheilen.

Die Blauzungenkrankheit ist eine nicht unmittelbar von Tier zu Tier, sondern durch stechende Insekten übertragbare Infektionskrankheit. Sie kam bisher vor allem in warmen Ländern südlich des 44. Breitengrades (Mittelmeerländer, Afrika, usw.) vor. Durch die Einschleppung des Virus konnte die Blauzungenkrankheit auch in Mitteleuropa auftreten. Überträger sind kleine Mücken (1 – 3 mm lang) der Gattung Culicoides (= Gnitzen). Sie fallen vor allem zwischen Abend- und Morgendämmerung Tiere im offenen Gelände an. Das Virus wird aus infizierten Tieren von den blutsaugenden Insekten aufgenommen. Nach einer Entwicklungszeit von ca. einer Woche kann das Virus bei einer weiteren Blutmahlzeit auf einen Säugetierwirt übertragen werden.

Ein Schutz vor Mückenangriffen kann z.B. durch eine Stallhaltung in der Zeit von 1 Std. vor Sonnenuntergang bis 1 Std. nach Sonnenaufgang gewährleistet werden.

Das Virus der Blauzungenkrankheit (BT) vom Serotyp 8 (BTV-8) wurde in Deutschland letztmalig am 17. November 2009 amtlich festgestellt. Das serologische und virologische Monitoring ergab in den Jahren 2010 und 2011 weder bei Haus- noch bei Wildwiederkäuern einen Hinweis auf eine Viruszirkulation. Daraufhin hat sich Deutschland in Übereinstimmung mit Artikel 6 Absatz 2 der Verordnung (EG) Nr. 1266/2007 mit Wirkung vom 15. Februar 2012 als frei von BT erklärt. Die Restriktionszone für BTV-8 wurde mit gleichem Datum aufgehoben. Damit ist gemäß Richtlinie 2000/75/EG des Rates die Impfung gegen BTV in Deutschland verboten.

Anzeige von Tierhaltungen

In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass Halter von Schafen, Ziegen, Rindern und Gehegewild die Haltung gemäß der Viehverkehrsverordnung beim zuständigen Veterinäramt anzeigen müssen.

Der LMTVet fordert deshalb alle Halter von Schafen, Ziegen, Rindern und anderen (Wild-)Wiederkäuern auf, dieser Meldeverpflichtung umgehend – sofern dies bisher noch nicht geschehen sein sollte – unter der Telefonnummer : 0421/361-4035 für Bremen bzw. 0471/596-13883 für Bremerhaven nachzukommen. Dies gilt auch für Hobbyhaltungen, die lediglich ein oder zwei Tiere halten.

Ebenfalls wird auf die Meldeverpflichtung der Tiere bei der Niedersächsischen Tierseuchenkasse hingewiesen.

Weitere umfassende und aktuelle Informationen erhalten Sie

- Auf der Seite Downloads im Bereich Tierseuchenbekämpfung - Blauzungenkrankheit -
- Auf der Niedersächsischen Informationsseite zu Tierseuchen
- Auf der Internet-Seite des Friedrich-Löffler-Instituts

BHV1

Die Infektion mit dem Bovinen Herpes Virus Typ 1 (BHV1) der Rinder ist allgemein auch als Infektiöse Bovine Rhinotracheitis, kurz "IBR" IBR bekannt.

Eine Infektion des Rindes mit dem BHV1-Virus kann sich in unterschiedlicher Ausprägung und an verschiedenen Organen zeigen; in der Regel treten Krankheitserscheinungen an den Schleimhäuten im Bereich der Eintrittspforten auf (Atemwege, Genitaltrakt), meist als entzündliche Rötung, teils mit Pustelbildung, sowie mit vermehrter Schleimabsonderung einhergehend, regelmäßig begleitet von hohem Fieber; auch Verkalben kann auftreten. Unter gewissen Umständen kann die Sterblichkeitsrate in einem befallenen Bestand bis zu dreißig Prozent erreichen.

Eine Übertragbarkeit auf Menschen ist weder bei direktem Kontakt noch über vom Tier gewonnene Lebensmittel möglich.

Bei der IBR handelt es sich übrigens um eine anzeige- und bekämpfungspflichtige Tierseuche im Sinne des Tierseuchengesetzes (§ 9), d.h., bereits der Verdacht auf Ausbruch der Seuche ist der Veterinärbehörde unverzüglich anzuzeigen. Anzeigepflichtig ist grundsätzlich der Besitzer der Tiere, aber auch sein eventueller Vertreter sowie ggf. weitere Personen, die fachlich mit den Tieren zu tun haben.
Große wirtschaftliche Schäden für die Landwirtschaft können als Folge einer BHV1-Infektion entstehen, was zu einem europaweit organisierten und großenteils staatlich reglementierten Sanierungsbestreben geführt hat.

Der Weg zu einer Tilgung der Seuche führte über die schrittweise Schaffung BHV1-freier Regionen, in denen Handel und Verkehr mit nicht BHV1-freien Rindern nicht mehr möglich ist.

Seit 06.06.2017 ist Deutschland EU-rechtlich als BHV1- frei anerkannt.

BHV-1 Sanierungsfortschritt in der BRD (Stand: 17.12.2015)

Bild zeigt eine Karte über den BHV-1 Sanierungsfortschritt in der BRD (Stand: 17.12.2015)

BVD

Die BVD/MD (Bovine Virusdiarrhoe/Mucosal disease) ist eine auf der ganzen Welt vorkommende Viruserkrankung, die auch in Deutschland verbreitet ist. Hauptwirt des BVD-Virus (BVDV) ist das Rind, daneben können auch alle anderen Paarhufer, besonders Schafe und Wildwiederkäuer infiziert werden. Sie ist derzeit eine der am weitesten verbreiteten und verlustreichsten Infektionskrankheiten des Rindes, die sehr heftige - bei Jungtieren z.T. tödliche - Durchfallerkrankungen einerseits und Aborte (Verkalben bzw. Verlammen) und Fruchtbarkeitsstörungen andererseits hervorruft. Außerdem schwächt das Virus erheblich die körpereigenen Abwehrkräfte. Auf diese Weise führt das BVD-Virus zu erheblichen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schäden in Rinderbeständen.

Problematisch wird es, wenn sich eine Kuh erstmals während der Trächtigkeit infiziert. Das Kalb kann zum Dauerausscheider von Krankheitserregern werden (persistent infiziertes/virämisches Tier, PI-Tier). Ist eine Kuh Dauerausscheider so werden auch ihre Kälber automatisch zu Dauerausscheidern. Wird ein Dauerausscheider erneut mit einem ähnlichen BVD-Virus-Stamm infiziert, kommt es zum Krankheitsbild der MD, welche immer tödlich endet.

Das BVD-Virus gelangt wie folgt in den Bestand:

  • Einstellung von Dauerausscheidern
  • Einstellung einer "trojanischen Kuh": gesunde Kuh mit persistent infiziertem Fetus tragend

  • Dauerausscheider im Bestand kalbt: das Kalb ist auch Dauerausscheider

  • direkter Kontakt zu infizierten Tieren

  • Infektion der Kuh über BVDV-haltiges Sperma bei der Bedeckung/Besamung

  • weitere Vektoren (Transportfahrzeuge, Geräte, etc.).

Ziel der BVD-Bekämpfung ist es, die Dauerausscheider herauszufinden und auszumerzen, da sie als Virusreservoir das Fortbestehen dieser Tierseuche sicherstellen.

Rechtslage
Gemäß der seit dem 01.01.2011 bundesweit geltenden BVD-Verordnung müssen:

  • alle ab dem 01. Januar 2011 geborenen Kälber
  • alle Rinder, die aus oder in den Bestand verbracht werden sollen

  • Tiere mit klinischen Anzeichen der Krankheit

  • Tiere mit einem positiven Erregernachweis ein zweites Mal (frühestens nach 21 Tagen und spätestens nach 60 Tagen)

auf das BVDV untersucht werden.

Ein Rind mit einem negativen Untersuchungsergebnis auf das BVDV erhält lebenslang den Status BVDV-unverdächtiges Rind. Eine Kuh mit mindestens einem nachgeborenen Kalb mit negativem Untersuchungsergebnis auf BVDV kann auch automatisch lebenslang den Status BVDV-unverdächtiges Rind erhalten.

Nur BVDV-unverdächtige Rinder dürfen seit dem 01.01.2011 in einen oder aus einem Bestand verbracht werden. Das gleiche gilt für das Verbringen von Rindern auf Viehmärkte, Viehauktionen, Viehsammelstellen und Gemeinschaftsweiden. Nur unter besonderen Voraussetzungen können Ausnahmen für Mastrinder gemacht werden. Der bundesweite Handel von Rindern ohne BVDV-Status ab dem 01.01.2011 ist praktisch kaum noch möglich.

Eine wesentliche Neuerung bei der BVD-Sanierung ist seit 2010 die Untersuchungsmethode über die Ohrstanzprobe. Durch den Rinderhalter wird im Rahmen der nach Viehverkehrsverordnung zu erfolgenden Kennzeichnung der Tiere beim Einziehen einer Ohrmarke mittels einer neuartigen Zange in einem Arbeitsgang eine Gewebeprobe aus der Ohrmuschel gewonnen. Diese Probe wird dann im Labor auf das BVDV untersucht. Die Vorteile dieses Verfahrens sind, dass schon in der 1. Lebenswoche der BVD-Status des Kalbes ermittelt werden kann und dass die Tierhalter die Probennahme mit dem Einziehen der Ohrmarke selbst durchführen können.(05/2011)

Schmallenberg-Virus

Im Herbst 2011 wurde aus der sauerländischen Stadt Schmallenberg ein Virus erstmals nachgewiesen, das zu Erkrankungen bei Wiederkäuern führt. Das Virus wird, analog zum Blauzungenvirus, durch belebte Vektoren - in diesem Fall stechende und blutsaugende Fluginsekten - von einem Tier zum anderen übertragen,. Die unmittelbare Übertragung von Tier zu Tier gilt als unwahrscheinlich. Die infizierten Tiere bilden eine natürliche Immunität von bisher unbekannter Dauer aus. Impfstoffe stehen derzeit noch nicht zur Verfügung.

Für Menschen besteht keine Gefährdung.

Das Virus kann bei Rindern, Schafen und Ziegen milde Symtome wie Milchrückgang und Fieber hervorrufen. In bestimmten Stadien der Trächtigkeit kann die embryonale oder fetale Entwicklung gestört werden; es kommt zu Frühaborten oder zur Geburt toter und mißgebildeter Kälber bzw. Lämmer.

Bundesweit konnte Schmallenberg-Virus bereits weitgehend flächendeckend nachgewiesen werden; für das Land Bremen steht eine Nachweis bisher noch aus.

Seit Anfang April 2012 besteht tierseuchenrechtliche Meldepflicht.

Weitere aktuelle Informationen sind über den FLI Link zu erreichenwww.fli.bund.de

Psittakose

Die Psittakose ("Papageienkrankheit") ist eine auf andere Tiere und auf Menschen übertragbare Krankheit der papageienartigen Vögel (Psittaciformes), die durch Chlamydia psittaci verursacht wird, eine außergewöhnliche Bakterienart, die zwar unbedingt lebender Körperzellen bedarf, um sich zu vermehren, die aber außerhalb tierischer oder menschlicher Körper in reduzierter Form, als sogenannte Elementarkörperchen, gut zu überleben vermag.

An Psittakose erkrankte Vögel zeigen relativ unspezifische, manchmal schwach ausgeprägte Symptome, wie Apathie, Futterverweigerung, Durchfall, Bindehautentzündung und Schnupfen. Die Krankheitserreger werden dabei über Speichel und Kot bzw. Harn ausgeschieden. Unbehandelte schwer erkrankte Tiere sterben nach etwa ein bis zwei Wochen. Symptomlose Erkrankungen, bei denen trotzdem Erreger ausgeschieden werden, sind nicht ungewöhnlich und spielen bei der Übertragung von einem Bestand zum anderen eine wichtige Rolle.

Beim Menschen kann die Chlamydien-Infektion (Chlamydiose) zu grippe- ähnlichen Symptomen, zu Lungenentzündung und, unter ungünstigen Voraussetzungen, zum Tod führen.

Die Anzeigepflicht hinsichtlich der Psittakose wurde 2011 aufgehoben. Seitdem unterliegt die Feststellung der Krankheit nur noch der Meldepflicht. Meldepflichtig bei der zuständigen Behörde sind Tierärzte in Ausübung ihres Berufs und Untersuchungsämter.

Bienenseuchen

Das Bild zeigt die Kontrolle einer Bienenwabe.
Kontrolle der Bienengesundheit.

Allgemeines

Im Land Bremen werden rund 1000 Bienenvölker von Imkern gehalten. Die eigentliche, unersetzliche ökologische Bedeutung der Bienen liegt in der Bestäubung von Wild- und Nutzpflanzen. Für die Hobbyimker bedeutet der Honigertrag ein kleiner, aber genußvoller Ausgleich für den erheblichen Arbeitsaufwand. Die meisten Imker sind in Bremen in zwei und in Bremerhaven in einem Imkerverein organisiert.

Die Amerikanische Faulbrut, eine häufiger auftretende Tierseuche im Land Bremen, bedarf erheblicher Anstrengungen für den LMTVet und für die Imkerschaft.

Aktuelle Faulbrut-Sperrbezirke

Am 15.09.2009 wurde der letzte Sperrbezirk in Walle/Findorff aufgehoben - es gibt folglich im Moment keine gesperrten Gebiete im Land Bremen.

Zur Vermeidung und Vorbeugung wird auf die gute fachliche Praxis in der Imkerei und die unten stehenden Informationen zur Faulbrut verwiesen.

Prinzipiell gelten im Land Bremen für Faulbrut-Sperrbezirke folgende Vorschriften:
Die in dem Sperrbezirk befindlichen Bienenstände sind vom jeweiligen Verfügungsberechtigten dem Lebensmittelüberwachungs-, Tierschutz- und Veterinärdienst des Landes Bremen, Lötzener Str.3, 28207 Bremen, Tel. 361 4035, unter Angabe der Völker-zahl und des genauen Standortes anzugeben.
Alle Bienenvölker und Bienenstände im Sperrbezirk sind unverzüglich auf Amerikanische Faulbrut amtstierärztlich zu untersuchen; diese Untersuchung ist frühestens zwei, spätestens neun Monate nach der Tötung oder Behandlung der an der Seuche erkrankten Bienenvölker des verseuchten Bienenstandes zu wiederholen.
Bewegliche Bienenstände dürfen von ihrem Standort nicht entfernt werden.
Bienenvölker, lebende oder tote Bienen, Waben, Wabenteile, Wabenabfälle, Wachs, Honig, Futtervorräte, Bienenwohnungen und benutzte Gerätschaften dürfen nicht aus den Bienenständen entfernt werden.
Bienenvölker oder Bienen dürfen nicht in den Sperrbezirk verbracht werden.
Die vorgenannte Ziffer 4 findet keine Anwendung auf Wachs, Waben, Wabenteile und Wabenabfälle, wenn sie an wachsverarbeitende Betriebe, die über die erforderliche Einrichtung zur Entseuchung des Wachses verfügen, unter der Kennzeichnung "Seuchenwachs" abgegeben werden, und Honig, der nicht zur Verfütterung an Bienen bestimmt ist.
Zuwiderhandlungen gegen die bezeichneten Anordnungen können nach § 26 Bienenseuchen-Verordnung vom 09.11.04 und § 76 Abs. 2 Tierseuchengesetz vom 22.06.04, jeweils in aktueller Fassung, mit einer Geldbuße bis zu 25.000,00 Euro geahndet werden.

Meldung der Völker

Seit dem Jahr 2000 ist vor Beginn der Bienenhaltung jeder Bienenstand dem Veterinäramt anzuzeigen (§1a Bienenseuchenverordnung). Faxen Sie uns den Meldebogen Meldebogen (pdf, 973.2 KB) ausgefüllt zurück an 0421 361- 16644. Im Falle des Ausbruchs einer Bienenseuche kann die Veterinärbehörde alle Bienenvölker im Umkreis des Seuchenherdes gezielt kontrollieren und die Seuche schnell bekämpfen.
Bitte nutzen Sie den Meldebogen für die Anzeige Ihrer Bienenhaltung im Land Bremen: Sie können den Meldebogen ausgefüllt mailen (friedrich.pohl@veterinaer.bremen.de), per Post zuschicken oder an faxen. Alle Daten stehen auch auf dem Meldebogen.

Varroamilbe und andere Milbenerkrankungen

Für jeden Imker besteht eine Behandlungspflicht zur Bekämpfung der Varroamilbe (§ 15 Bienenseuchenverordnung). Neben biotechnischen Maßnahmen (z.B. Drohnenbrut ausschneiden, Fangwabe) könne auch Medikamente eingesetzt werden. Dies sind zur Zeit in der jeweils zugelassenen Form die organischen Säuren Ameisen-, Oxal- und Milchsäure, Perizin, Bayvarol und Thymol. Medikamente dürfen nur in der zugelassenen Anwendungsform und in Wirtschaftsvölkern nur nach der letzten Ernte durchgeführt werden. Milben in der verdeckelten Brut werden nur von der Ameisensäure erreicht. Die Anwendung der Medikamente ist im Bestandsbuch zu vermerken (5 Jahre Aufbewahrungspflicht). Den Imkern wird eine ständige Aktualisierung der Kenntnisse über die Bekämpfungskonzepte empfohlen.
Varroamilbe besondere Bedrohung für Bienenvölker (pdf, 97.5 KB)

Die Tracheenmilbe Acarapis woodi ist in Norddeutschland bisher nicht in Erscheinung getreten. Auch hier besteht eine Behandlungspflicht gemäß Bienenseuchenverordnung (§ 14).

Amerikanischen Faulbrut

Der Verdacht des Auftretens der Amerikanischen Faulbrut ist anzeigepflichtig. Hierunter fallen folgende Auffälligkeiten: löchriges Brutnest, eingesunkene Zelldeckel, fadenziehende Masse (Streichholztest) oder hoch belastete Futterkranzproben. Bei gering und hoch belasteten Futterkranzproben ist der LMTVet zu informieren, damit die Ursachen gefunden werden können. Bei hoch sporenbelasteten Völkern liegt ein Verdacht auf Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut vor, der anzeigepflichtig ist!
Verfüttern Sie nie fremden Honig, da dieser Faulbrutsporen enthalten kann!

Anzeige der Amerikanischen Faulbrut: Rufen oder Faxen Sie eine Nachricht unverzüglich an den LMTVet. Falls der Gesundheitsobmann Ihres Imkervereines beim LMTVet zugelassen wurde, kann die Anzeige auch über ihn erfolgen.

Der verdächtige Bienenstand wird unverzüglich untersucht. Die Labordiagnose wird den Verdacht erhärten oder ausschließen. Bis das Laborergebnis vorliegt, unterliegt die komplette Imkerei der Sperre.

Im Seuchenfall wird ein Sperrgebiet eingerichtet. Alle Völker werden kontrolliert und die Seuche getilgt. Handeln Sie nur auf Anweisung des LMTVet, der entscheidet, ob eine Abtötung und/oder eine Sanierung über Kunstschwarmbildung mit Hungerphase möglich ist. Alle Arbeiten werden amtlich überwacht.

Eine aktuelle Leitlinie zur Bekämpfung der Amerikanischen Faulbrut können Sie hier ansehen / herunterladen:

Leitlinie AFB 2012 (pdf, 246.5 KB)

Beutenkäfer

Bisher wurde der Beutenkäfer Aethina tumida nicht nach Deutschland verschleppt. Die Käferlarven zerstören die Bienenwaben, die Brut und sogar den Honig. Der Verdacht des Auftretens des Käfers ist anzeigepflichtig (siehe auch Amerikanische Faulbrut).

Gute fachliche Praxis

Als Tierhalter und Produzent von Lebensmitteln wird von den Imkern eine gute fachliche Praxis gefordert. Die entsprechenden Kenntnisse werden Grund- und Fortbildung der Verbände und Bieneninstitute vermittelt. Folgende Bereiche sind besonders erwähnenswert:

  1. Lebensmittel-Hygiene bei der Gewinnung und Herstellung von Honig, Pollen und Gelee royale
  2. Prophylaxe der Amerikanischen Faulbrut durch Futterkranzproben, Waben- und Standhygiene sowie dem Erhalt vitaler Völker
  3. Leere Bienenwohnungen sind stets bienendicht verschlossen zu halten (§ 6 Bienenseuchenverordnung)
  4. Beim Bienenkauf und Beutenkauf sollte unbedingt ein Gesundheitszeugnis bzw. eine gründliche Reinigung und Desinfektion (Ätznatronlauge/Abflammen) erfolgen. Der Transport der Völker stellt ein Verbringen dar
  5. Wanderung siehe unten

Gesundheitszeugnis und Wanderung

Typische Trachtpflanzen sind Rapsflächen und Lindenalleen im Land Bremen, die auch von Imkern aus anderen Landkreisen angewandert werden. Hierfür ist ein gültiges Gesundheitszeugnis des Verterinäramtes vom Heimatbienenstand erforderlich, dass eine Faulbrutfreiheit des Gebietes und der Imkerei möglichst aufgrund einer Untersuchung der Völker oder von Futterkranzproben bescheinigt. Die amtstierärztliche Bescheinigung darf nicht älter als 9 Monate sein und nicht vor dem 1. September des Vorjahres ausgestellt sein. Das Wandern innerhalb und von außen in einen Faulbrut-Sperrgebiet ist unbedingt zu vermeiden und bedarf der amtlichen Genehmigung. Prinzipiell sind die Wanderstände mit der Anschrift des Imkers zu kennzeichnen.